1. Moldawien / Rumänien:die negative Einschätzung

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   * Die Spirale von Unkenntnis, Ignoranz und Ablehnung

Die Wahrnehmung beider Länder im europäischen Ausland ist wenig schmeichelhaft. Es sind zumeist Zerrbilder und Stereotype, die den Bewohnern in Presse, Funk und Fernsehen, aber auch bei Meinungsbefragungen zugeordnet werden.

Bestimmte Fragen drängen sich förmlich auf: Wo liegen die Ursachen für die negative Außensicht, welche Mechanismen sorgen dafür, dass Vorurteile so stabil sind, und wer profitiert eigentlich vom einem Image, das anderen zugeschrieben wird?

Bereits der oberflächliche Blick über die letzten Jahrzehnte macht die begrenzte, selektive, einseitige Wahrnehmung beider Länder und seiner Bewohner sichtbar. Rumänien und Moldawien lagen bis 1990 jenseits des Eisernen Vorhangs. Wirtschaftlich, politisch, sozial waren beide Länder der Zweiten Welt, den sozialistischen Staaten, zugeordnet. Moldawien gar bildete bis 1990 eine Teilrepublik der Sowjetunion und war damit Beobachtern aus der Bundesrepublik Deutschland nur schwer zugänglich.

Doch diese ersten Überlegungen greifen nicht tief genug. 1 Images als Konstrukte Tatsächlich ist es nicht nur die Tagespresse, die mit negativen bis vernichtenden Beurteilungen die Rumänen bei einem Ranking (Abb. 1) schlecht abschneiden lässt.

Geringes Ansehen des Landes, mangelhafte Zukunftsorientierung und ein allgemein kommuniziertes Korruptionsproblem stigmatisieren das Land und seine Bewohner. Auch die hoch bewertete politische Stabilität kann hier nicht helfen; sie lässt sich leicht als (2004) noch nicht überwundene politische Erbschaft des Sozialismus interpretieren.

Ebenso problematisch ist die mehrheitliche Einschätzung als schönes Urlaubsland, die zu den großen Umweltproblemen im Widerspruch steht. Die Bewertungen sind also mehrdeutig und keineswegs widerspruchsfrei. Abb.1: Rumänien aus deutscher Perspektive (aus: BIRTEL, KISSAU 2006, S. 149)

Die Ursachen für die negative Fremdeinschätzung liegen nur teilweise in der verbreiteten Unkenntnis. Ohne Frage gibt es diese und auch ihr Anteil zum Aufbau einer ablehnenden und ignoranten Einstellung ist nicht umstritten (SCHLIMME 2003), doch es kommen weitere Aspekte hinzu. Images sind Konstrukte, die gemacht und zugeschrieben werden. Sie dienen der Abgrenzung, sie schaffen (vermeintliche) Klarheit in unübersichtlichen Situationen und ersetzen fehlende Kenntnisse.

Nach 45 jähriger Abschottung durch den Eisernen Vorhang war die verbreitete Unkenntnis der sozialistischen Länder der ideale Nährboden für die Entstehung bzw. Reaktivierung von Stereotypen. Die ab 1990 einsetzende und besonders anfänglich überschätzte Arbeitsmigration in die Länder der EU (FASSMANN 1997, 2004) tat ein Übriges, um bestehende Klischees über Rumänien zu perpetuieren. In Presseberichten wurden die hohe Kriminalität von Auslands- sowie die Korruption und Verwahrlosung bei Inlandsrumänen regelmäßig thematisiert.

Die Kampagne des französischen Ministerpräsidenten gegen rumänische Roma in Frankreich (Juli/August 2010) ist nur ein besonders spektakulärer Akt bei derartigen Inszenierungen. Der Weg führt von der Unkenntnis und Pauschalisierung direkt zur Ablehnung. Stereotype, die bereits existieren, werden aufgegriffen und zielgerichtet gegen soziale Gruppen eingesetzt; sie werden instrumentalisiert.

Images sind Zuschreibungen von komplexen Eigenschaften oder Verhaltensweisen, sie fassen undifferenziert zusammen und bieten für Individualität, Differenzen oder Heterogenität keinen Raum. Moldawien und seine Bewohner werden bei diesen Prozessen vordergründig ausgespart. Das kleine Land wird in den Massenmedien kaum wahrgenommen. Es gehört nicht zur Europäischen Union, sondern zu den GUS-Staaten; es ist in der Berichterstattung nahezu in Vergessenheit geraten.

Entwicklungspfade

Die Ausgrenzung und Stigmatisierung haben eine Vorgeschichte. Wie andere Länder Südosteuropas waren auch Rumänien und Moldawien in den letzten Jahrhunderten politischen Zentren unterstellt, für die der Balkan- und Karpatenraum ein Expansionsgebiet darstellte.

Das Osmanische Reich steht für den Einfluss Konstantinopels und die Ausbreitung der Muslime, das russische Zarenreich verstand sich über die Jahrhunderte als Beschützer und Förderer der Orthodoxie, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (k.u.k., d.h. kaiserlich [Wien] und königlich [Budapest]) protegierte die Mitglieder der Westkirchen (Katholiken, Protestanten).

Regional verlief die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sehr unterschiedlich. Um 1550 gehörte Südosteuropa komplett zum multiethnischen Osmanischen Reich (KETTERMANN 2001, S. 100-106). Die Fürstentümer Moldau, Walachei und Siebenbürgen waren mit Vasallenstatus der Hohen Pforte in Istanbul untergeordnet. Mit dem Wiederaufstieg von Österreich und Russland zog sich das Osmanische Reich zurück, 1806 markierten die Karpaten die Grenze zwischen Österreich und den russisch besetzten Regionen Moldau und Walachei, die nach wie vor formal der osmanischen Oberhoheit unterstanden (vgl. Abb. 2).

Die Veröffentlichung ist kein Leitartikel. Es spiegelt ausschließlich den Standpunkt und die Argumentation des Autors wider. Die Publikation wird in der Präsentation vorgestellt. Beginnen Sie in der vorherigen Ausgabe. Das Original ist verfügbar unter: geb.uni-giessen.de

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5 Comments

  1. Die Migration aus der Republik Moldau ist noch ein vergleichsweise junges Phänomen, schließlich besteht erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Unabhängigkeit der Republik Moldau die Möglichkeit der Ausreise. Viele moldauische Bürger haben seitdem die Chance genutzt, um die Heimat zu verlassen. Wenn es in den neunziger Jahren zunächst einzelne Personen waren, meist Familienväter, die das Land auf der Suche nach Arbeit verließen, so muss inzwischen von einer Million Moldauer im Ausland gesprochen werden

  2. Grund dafür ist der ungelöste Konflikt mit Transnistrien, der die Auswanderung über die östlichen Grenzen stark fördert und die tatsächliche Zahl der Auswanderer verfälscht.

  3. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass eine Zahl von ca. 600.000 Migranten realistischer wäre. Derzeit arbeitet die IOM mit der Republik Moldau daran, die Datenquellen und die Datenverarbeitung zu verbessern, um mit dem so genannten Extended Migration Profile ein klareres Bild zu erhalten.

  4. Männliche Arbeitsmigranten bevorzugen Russland, die Ukraine, Spanien und Portugal, wo sie hauptsächlich in der Bauindustrie beschäftigt werden. Frauen dagegen entscheiden sich für Italien und die Türkei, wo sie ihre Dienste im Haushalt sowie in der Alten- und Krankenpflege
    anbieten.

  5. In vielen Dörfern Südmoldaus mangelt es an grundlegenden Dingen wie Essen, Trinkwasser oder
    Kleidung. Die Zahl der Menschen, die mit einem Dollar pro Tag oder weniger auskommen müssen, ist seit dem Zerfall der Sowjetunion stark gestiegen.

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