Der Alltag der Ostdeutschen

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Der Alltag der Ostdeutschen

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* Die Diskussion über die Geschichte hat sich immer mit den großen Hauptereignissen beschäftigt.

Im Fall der Geschichte der DDR und ihrer Aufarbeitung hat man bei den Problemen, den Ursachen und den Schuldzuweisungen verweilt.

Die Folge dieser Methode war und ist die Unterscheidung zwischen den Bürgern einer Westdemokratie und den Bürgern einer ost- deutschen Diktatur; in diesem Schema werden die Ostdeutschen in Guten (wer zum Widerstand und zur Opposition gehörte) und in Bösen (wer das System unterstützte) unterteilt; der Rest steht unter dem Verdacht der Komplizenschaft.

Obwohl die öffentliche Debatte über die Geschichte der DDR sich überwiegend den diktatorischen Aspekten seines Staats und seiner Partei zugewendet hat, hat sich die Aufmerksamkeit der Mehrheit der Ostler auf die Untersuchungsperspektive der sozialen Geschichte und des Alltags gerichtet. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist es der Versuch seitens der Ostler, das Gedächtnis im öffentlichen Gespräch über die Geschichte zu schützen.

Der Alltag der Ostdeutschen stellt einen wesentlichen Bestandteil des Gedächtnisses dar, um die Kultur und das Sein der DDR zu erhalten. Wie man in den vorhergehenden Kapitel gesehen hat, bildeten sich schon am Ende des Jahres 1989 und am Anfang des Jahres 1990 während der Auflösung der DDR Stapel von Möbeln, Kleidung, Hausrat, Büchern und Dokumenten an den Wohnorte, die weggeworfen waren, um durch neue westliche Produkte ersetzt zu werden.

Dieser Prozess war so schnell, dass man fürchtete, dass alle die Gegenstände des Alltags der DDR verloren gehen könnten; daher hat diese materielle Kulturbewegung der DDR sofort das Interesse der privaten Sammler geweckt, zunächst jedoch noch ohne wissenschaftlich- museales Interesse.

In diesem Zusammenhang wurden die Sammlungen über die Geschichte der DDR außer wenigen Ausnahmen, die schon in Ostdeutschland waren und die über eine große Anzahl von Gegenständen verfügten, abgebaut. Ein bedeutsames Beispiel ist die Beendigung der Dauerausstellung des nationalgeschichtlichen Museums von Ost Berlin, das zum 40. Jahrestag der DDR eröffnet worden war.

Diese — wie andere Demontagen- ist die Bestätigung, dass die DDR nur zu einem geringen Teil eine Studie der eigenen Gesellschaft gemacht hatte, die sich darüber auf die politischen und kulturellen Aspekte beschränkt hatte.

DAS DOKUMENTATIONSZENTRUM ALLTAGSKULTUR DER DDR IN EISENHÜTTENSTADT

  • Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (DOK) ist das Museum für die Alltagsgeschichte und Alltagskultur im Osten Deutschlands, genauer in Eisenhü
  • Es wurde im Jahre 1993 auf Beschluss des Gemeinderats gegründet, der besagte, statt eines musealen Wiederaufbaus der DDR fördern, den Prozess der Selbstzerstörung einer Gesellschaft begleiten zu wollen.
  • Der Staat DDR hatte sich schneller als die Gewohnheiten, die Mentalität, die Sprache und die Objektumwelt seiner Bürger 47 aufgelö Das Problem waren die Quellen, auf denen eine öffentliche und wissenschaftliche Untersuchung aufbauen konnte.
  • Die institutionelle Gliederung der staatlichen Archive konnte nur den Gesichtspunkt des Staats zeigen; außerdem konzentrierten sich die konventionellen Quellen auf schriftliche Dokumente, auf Fotografie und Kunst, weil man mutmaßte, dass die Objekte der materiellen Kultur einen Soforteindruck geben konnten.
  • Die Alltagskultur stand nicht im Mittelpunkt des Interesses der Institutionen. In diesem Zusammenhang ist klar, dass das DOK am Anfang als Archiv der materiellen Kultur konzipiert worden ist.

Dem Museum wurden Gebrauchsgegenstände geschenkt, denen der beigefügte Kommentar des Spenders die Bedeutung, die sie im Alltagleben hatten, zurückgab. Die Sammlung ist vom Standpunkt der Geber aus erstellt worden. „Die Sammlungen umfassen heute etwa 150 000 Objekte aus allen Bereichen der Alltagskultur. Sie sind überwiegend aus Schenkungen aus der Bevölkerung hervorgegangen.

“96 Diese Sammlungen sind nach den Kriterien der Geschichtskatalogisierung weder vollständig noch geordnet, weil viele Gegenstände, mehrfach vorhanden, keinen exemplarischen, sondern nur einen emotionalen und daher privaten Wert haben. Zum Beispiel sind besondere Hausaltgeräte mehrmals an das Museum verschenkt worden; dagegen sind Objekte wie private Fotoalben nicht vorhanden, da sie für Kinder und Enkel verwahrt werden. Außerdem:

[fassen Sammlungen] etwa 70.000 Objekte aus allem Bereich der Alltagskultur in der DDR [um] und gehören zu den für dieses Thema bedeutenden in Deutschland. Mobiliar und Raumausstattungen, Hausrat und technische Konsumgüter, Kleidung, Verbrauchsgüter wie Nahrungsmittel und Verpackungen, Objekte aus dem beruflichen Umfeld sowie materielle Hinterlassenschaften aus dem gesellschaftlichen Bereich.“97

Dies sind nur einige Beispiele, aber sie reichen aus, um zu bezeugen, wie die Abgabe eines Objekts für die Geber eine Gelegenheit ist, um über den Sinn und die Museumswürdigkeit ihrer Geschenke nachzudenken. Nach dieser Auffassung nimmt der Kommentar, der das geschenkte Objekt begleitet, eine besondere Bedeutung ein, weil er sich auf echte Lebenserfahrungen stützt. Es ist nicht der einfache Wechsel eines Gebrauchsgegenstands in die Archivierungswelt, sondern es ist ein Versuch, die mündliche Geschichte zu belegen. Wenn die Ostalgie unter dem Aspekt der Alltagskommunikation von den gemeinsamen Erfahrungen lebt, so geben die Gegenstände der Sammlungen des DOKs das Stichwort zu einer Kommunikation über die Geschichte und über die existenzielle Erfahrung

   Die Veröffentlichung ist kein Leitartikel. Es spiegelt ausschließlich den Standpunkt und die Argumentation des Autors wider. Die Publikation wird in der Präsentation vorgestellt. Beginnen Sie in der vorherigen Ausgabe. Das Original ist verfügbar unter:dspace.unive.it

 

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6 comments

  1. YULO
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    Gemeinsam mit dem Soziologen Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, diskutierte Kreyenfeld jetzt im Wissenschaftsforum am Gendarmenmarkt in Berlin den Sinn der Ost-West-Differenzierung in der Familienforschung. Beide sind dafür, sie beizubehalten. Norbert Schneider erinnerte daran, dass an ihrem Sinn bereits 1995 gezweifelt wurde, weil alle überzeugt gewesen seien, die der Zweistaatlichkeit geschuldeten Unterschiede würden sich naturgemäß auflösen

  2. Irena Morary
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    Viele der typischen Ostprodukte, wie Schlager-Süßtafel oder Spirelli Nudeln aus Riesa gibt es auch heute noch zu kaufen. Die Fabriken produzieren immer noch, oder wieder. Zwar werden heute andere Zutaten verwendet, aber Ostalgie ist anscheinend immer noch aktuell.

  3. Daniel Donk
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    Wer heute in Deutschland Teenager ist, wurde lange nach der deutschen Einheit geboren. Viele haben ein bestimmtes Vorurteil gegenüber der ehemaligen DDR: Es gab wenig zu essen. Aber hungern musste in der DDR bestimmt keiner. Es gab eine Grundversorgung, wenn auch wenig Abwechslung und Auswahl. Im Osten hat sich eine völlig andere Esskultur entwickelt, die zur deutschen Geschichte gehört.

  4. Ulrich Bender
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    Ok, SPEE kaufe ich hin und wieder mal, neben ASTRA und GUINNESS mag ich gerne auch ein HASSERÖDER, aber sonst? VITA Cola kenne ich von meinen Besuchen «drüben» nur als lauwarme, kohlensäurearme Plörre, einmal und nie wieder bestellt.

  5. Scepticer
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    Marken bwirken nun einmal einen Wiedererkennungseffekt, auch wenn längst ganz andere Produkte, Rezepturen und Hersteller dahinter stehen: Insofern wird sich auf Dauer der Platz jener Produkte im jeweiligen Marktsegment hauptsächlich über den Preis bestimmen. Ausgenommen davon bleiben vermutlich Waren, deren Qualität unumstritten ist, wie eben Rotkäppchen, Radeberger oder Spreewaldgurken

  6. OH My Guts
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    Die DDR interessiert die Deutschen immer noch: Spreewaldgurken etwa finden ihre Käufer, Hotels im DDR-Design ihre Gäste. Die Ostalgie hat ihre Gründe, birgt aber auch Gefahren – zumindest für eine bestimmte Generation.

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