1. Wer über Moldau sprich

in Danube 2018 · DE · Europe 2018 · EX-USSR · Moldova 2018 · Nation 2018 · Skepticism 2018 46 views / 4 comments
          
93% посетителей прочитало эту публикацию

Danube        Europe       Ex-USSR         Moldova     

GEOMETR.IT  led.li

* Republik Moldau – Ein Land in Südosteuropa, etwa so gross wie die deutschsprachige Schweiz? Wenige Mitteleuropäer habe eine klare Vorstellung von der Republik Moldau, in der rund dreieinhalb Millionen Menschen leben

Wer zu dieser Jahreszeit durch die Republik Moldau fährt, sieht das Land von seiner schönsten Seite. Sanfte Hügel, Felder, so weit das Auge reicht, und dazwischen kleine Dörfer mit einstöckigen, oft schmucken kleinen Häuschen. Nur vereinzelt sind kleine Wälder auszumachen. Auf den Feldern ziehen die typischen blauen BelarusTraktoren ihre Runden, öfter aber arbeiten Menschen noch mit Hacke oder anderen Handinstrumenten.

An den Feldrändern und auf Nebenstrassen sieht man hie und da ein Pferdegespann. In den Dörfern stehen überdachte Ziehbrunnen zwischen den Häusern. Dem flüchtigen Betrachter bietet sich ein Bild, das einem idyllischen Film über das Landleben entnommen sein könnte. Doch die Idylle trügt. Moldau ist ein europäisches Land, das gemäss jüngstem Entwicklungsindex der Vereinigten Nationen hinter Sri Lanka oder der Mongolei rangiert.

Die Republik Moldau hat eine wechselhafte und von Konflikten geprägte Geschichte. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine wurde von rivalisierenden Grossmächten geprägt. Mal gehörte das Gebiet zu Rumänien, dann wieder zum Russischen Reich, später zur Sowjetunion. Es gab auch eine Zeit, in der das Osmanische Reich das Land beherrschte.

Als das Land 1991 die Unabhängigkeit erlangte, setzten sich viele für eine Wiedervereinigung mit Rumänien ein. Die Flagge Moldaus sieht der rumänischen Flagge auffallend ähnlich. Die Landeshymne heisst übersetzt «Unsere Sprache» und definiert damit die rumänische Sprache als zentralen Bestandteil der nationalen Identität. Die Bevölkerungsgruppe, die sich Rumänen nicht zugehörig fühlte, empfand das als Bedrohung für ihre kulturelle Identität.

Nach sich verschärfenden Spannungen zwischen rumänisch- und nicht rumänischsprachigen Bevölkerungsteilen kam es 1992 zu offener Gewalt, bei der über Tausend Menschen ihr Leben verloren und die zur Abspaltung des moldauischen Gebietes jenseits des Flusses Dnister führte. Seither existiert an der Grenze zur Ukranie ein dünner Landstreifen«Transnistrien», der an der russischen Sprache festhält und auf dem noch immer russische Truppen stationiert sind. Der Konflikt ist nach wie vor nicht gelöst. Auch die Volksgruppe der Gagauzen, die vor allem im Süden des Landes leben, stand einer Rumänisierung ablehnend gegenüber und entwickelte sezessionistische Bestrebungen, die aber über einen Autonomiestatus aufgefangen werden konnten. Die Frage der nationalen Identität scheint nach wie vor eine sensible zu.

  • Das Denken in ethnischen Kategorien ist sehr verbreitet. Oft werden Menschen als «Russen»oder «Bulgaren» oder «Roma» bezeichnet, obwohl die betreffenden Personen allesamt einen moldauischen Pass haben und schon seit Generationen in Moldau leben.
  • Erst vor einigen Monaten wurde auf Druck des Auslands der Vermerk zur ethnischen Zugehörigkeit aus den Ausweispapieren gestrichen. Eine schwache Wirtschaft Das Land befindet sich im Spannungsfeld zwischen der politischen Ausrichtung nach Europa einerseits und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Russland andererseits.
  • Als Teil der Sowjetunion wurde Moldau die Rolle des Früchte- und Gemüsegartens zugewiesen. Entsprechend stark war die Wirtschaft auf Landwirtschaft ausgerichtet. Noch immer arbeiten die meisten Moldauer in der Landwirtschaft. Viele Industriebetriebe sind nach der Unabhängigkeit zugrunde gegangen, denn sie waren auf den sowjetischen Markt ausgerichtet und Lieferanten sowie Ab satzmarkt befanden sich plötzlich hinter neu gezogenen Grenzen.
  • Zudem konnten die in Moldau produzierten Güter nur beschränkt mit den Konkurrenzprodukten aus dem Westen mithalten. Politische Instabilität, Rechtsunsicherheit und Mangel an kompetenten Arbeitskräften sind Gründe für die nach wie vor geringen ausländischen Investitionen.

Moldau und Migration

Wer über Moldau spricht, kommt um das Thema Migration kaum herum. Die Schätzungen variieren. Allgemein wird angenommen, dass rund ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung im Ausland ihr Geld verdient und ihre Angehörigen in Moldau unterstützt. Manche bleiben für Jahre weg, andere verdingen sich jeweils als Saisonniers.

Die Summe der Rücküberweisungen ist entsprechend gross und die Moldauer sind auf dieses Geld angewiesen – ohne diese Unterstützung fehlte es vielen am Notwendigsten. So wichtig die Überweisungen für die Daheimgebliebenen sind, Ökonomen weisen schon lange darauf hin, dass diese Gelder v. a. in den Konsum (Lebenskosten) und den Bau (als Ersatz für eine Altersvorsorge) fliessen und damit relativ wenig zur langfristigen Entwicklung des Landes beitragen.

Das erklärt auch das widersprüchliche Phänomen, dass die Zahl der Menschen, die in Armut leben, zwar abgenommen hat, aber gleichzeitig die Beschäftigungsquote stark gefallen ist (von 54% im Jahr 2000 auf 40% Die Republik Moldau Der LED ist seit 2007 in diesem widersprüchlichen und schönen Land engagiert. Seine Unterstützung konzentriert der LED auf den Bildungssektor. Das aus vier Personen bestehende Team des LED-Koordinationsbüros in Chişinău führt zwei Berufsbildungsprojekte durch und betreut darüber hinaus vom LED finanzierte, aber von anderen Organisationen umgesetzte Bildungsprojekte. im Jahr 2009).

Die Tatsache, dass ihre Verwandten im Ausland arbeiten und sie finanziell unterstützen, lässt viele junge Menschen ebenfalls schon früh an Arbeitsmigration denken. Kaum eine Schulklasse, in der nicht Kinder sitzen, deren Eltern im Ausland sind. Und auf die Frage nach den Zukunftsplänen antworten viele: «Ins Ausland, weg von hier!».

Die vielen Menschen, die im Ausland arbeiten, hinterlassen zu Hause eine Lücke. In diesem Zusammenhang ist das Problem der Sozialwaisen zu nennen – Kinder, die zwar Eltern haben, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Alkohol und andere Drogen spielen dabei genauso eine Rolle wie Depression, Gewalt und Abwesenheit.

Migration entzieht Moldau nicht nur die oft besten Arbeitskräfte, sie ist auch eine Hypothek für die nächste Generation. Die Menschen brauchen Perspektiven, wie man in Moldau bleiben und gleichzeitig ein Einkommen generieren kann, das ein Leben in Würde ermöglicht. Diese Perspektiven in Moldau zu schaffen, ist eine schwierige Aufgabe. Liechtenstein versucht, durch Verbesserungen im nationalen (Berufs-)Bildungssystem dazu einen Beitrag zu leisten.

Die Veröffentlichung ist kein Leitartikel. Es spiegelt ausschließlich den Standpunkt und die Argumentation des Autors wider. Die Publikation wird in der Präsentation vorgestellt. Beginnen Sie in der vorherigen Ausgabe. Das Original ist verfügbar unter: led.li

GEOMETR.IT

4 Comments

  1. Die Tatsache, dass ihre Verwandten im Ausland arbeiten und sie finanziell unterstützen, lässt viele junge Menschen ebenfalls schon früh an Arbeitsmigration denken.

  2. Die Betreiber des Facebook-Accounts „Moldawien“ entgegnen darauf belehrend: „Für viele in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird Moldau sicher weiterhin Moldawien bleiben, weil es sich über viele Jahre so etabliert hat. Auch, wenn es sprachlich falsch ist…“

  3. Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann, ganz im Gegenteil, ich kann noch für mehr Verwirrung sorgen: Die östliche Teilrepublik Rumäniens heißt auch Moldova

Добавить комментарий

Your email address will not be published.

Latest from

Go to Top