Freiheit nur im Lyrik

in Bauer 2019 · Culture 2019 · DE · Europe 2019 · Germany 2019 · Literature 2019 53 views / 5 comments
          
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Europe

GEOMETR.IT  rudolph-bauer.de

* Rudolph Bauer schreibt „agitatorisch-programmatisch oder kritisch satirisch“. So formuliert es der Literaturwissenschaftler Thomas Metscher zu Beginn seines Essays zur Würdigung von Bauers Gedichten im neuen Band „Aus gegebenem Anlass“.

Diese Lyrik sei, so Metscher, „auf Aktualität verpflichtet, hat also auch einen dokumentarischen Wert – was die Leistung, doch auch die Grenze solcher Literatur markiert“. Der Autor will mit seinen Gedichten anklagen, aufrütteln, entlarven. Er deckt die mit Worten und in Reden oft verschleierte kapital-, imperial- und militärisch-kriegerisch orientierte Politik auf. Er macht das oft in „ätzender“ Weise.

Ähnlich wie die Säure bei der Herstellung einer Radierung, so geht er der uns umgebenden, geheuchelten oder verklärenden Politik auf den Grund. Seine Lyrik legt offen, worum es in Wirklichkeit geht. Sie ist aufklärerisch.

In seinen Texten lässt Rudolph Bauer auch andere zu Wort kommen, kursiv kenntlich gemacht im negativen wie positiven Sinn. So beispielsweise in dem Gedicht „Rede des Generals“. Das Gedicht zitiert Worte von Lettow-Vorbeck, die er bei der Einweihung des Reichskolonialdenkmals in Bremen 1932 gehalten hat.

Sechs Sonette

1
Falsche Alternative

sie nennen sich alternative
sie sind alles andre als das
sie propagieren die tiefe
verachtung der fremden den hass

sie kratzen an den oberflächen
der profitlichen wirtschaftsstruktur
doch statt diese aufzubrechen
verfestigen selbe sie nur

propagieren völkische einheit
den endsieg beim weltenbrand
ihr losungswort lautet gemeinheit

toleranzlos und ohne verstand
dröhnt der schlachtruf des verfalles
täuschland täuschland über alles

2
Die Politik und der Kleinmann

sie verbreiten schrecken und lüge
sie heizen den volksunmut an
als hätten wir nicht zur genüge
schon merkel horst seehofer spahn

mitschuldig sozialdemokraten
deren rosa ins braune changiert
sie hatten schon mehrfach verraten
den kleinmann der alles verliert

der wählt dann aus angst die faschisten
das erschrecken darüber ist groß
auch über die toten an küsten

die mutig retten wir müssten
auf der flucht vor krieg und dem los
zu sterben durch deutsches geschoss

3
Mitte und Rechts

den kleinmann unter druck setzen
ihm ängste zu machen vollends
und flüchtlinge zu verpetzen
als migrantische konkurrenz

so wirken zwei seiten zusammen
wäscht eine die andere hand
die harmlos erscheinenden zahmen
und die springerstiefel im land

man sollte nicht leicht unterschätzen
das pingpong von mitte und rechts
die mitte glänzt mit gesetzen

zugunsten des schnüffel-unrechts
und die glatzen schüren das hetzen
mittels islamistengeschwätz

4
Geisterbahn-Medien

den soundtrack liefern die presse
das radio und das t.v.
dass man uns den kuchen wegfresse
das brot und die butter den brie

täglich krimi-geisterbahn-sendung
bohlen terror und blutrote tracht
die kommentare als billige blendung
das kritische spät in der nacht

muslime mit sehr vielen kindern
afrikaner als schwarze gefahr
um jenen sozialstaat zu plündern

der lange schon keiner mehr war
öffentlich-rechtlich und r.t.l.-aufgehetzt
wird masse zum lynchen in stimmung
versetzt

5
Aus der Natterngrube des Militarismus

im zeitlichen ablauf kam erst mal
das kriegsgebrüll dann a.f.d.
zunächst militärischer ernstfall
dann völkische brutalité

erst als fussvolk der nato      marschieren
„mehr macht, mehr verantwortung zählt
um dann sich stolz zu gerieren
als die menschenrechtsretter der welt

die tarnuniformierte von leyen
befehligt die mordbrennerschar
zur rettung der angeblich freien

der freiesten welt fürwahr
und identitäre sie schreien
das abendland sei in gefahr

6
Wortklau

sie nennen sich alternative
und haben das wort nur geklaut
der missbrauch mit dem begriffe
ist historisch seit hitler vertraut

der anstreicher nahm sich zu eigen
den kampfbegriff sozialist
so gelang es ihm aufzusteigen
mit terminologischer list

wisst dass es nicht alternativ ist
was alternative sich nennt
ihr hass nämlich abgrundtief ist

was wirklich uns droht das erkennt
reißt euch vom falschen begriff los
die a.f.d. ist nicht alternativlos

YOUTUBE: Meinung & Freiheit”. Ein Zyklus mit vier Gedichten von Rudolph Bauer

   Die Veröffentlichung ist kein Leitartikel. Es spiegelt ausschließlich den Standpunkt und die Argumentation des Autors wider. Die Publikation wird in der Präsentation vorgestellt. Beginnen Sie in der vorherigen Ausgabe. Das Original ist verfügbar unter: rudolph-bauer.de

GEOMETR.IT

5 Comments

  1. Ihr habt immer noch nicht verstanden, worauf es ankommt. Inhaltlich korrekt, aber spricht das den einfachen Arbeiter an? Der, der sich im Streik befindet und Angst hat vor Arbeitslosigkeit und noch mehr Armut. Sprecht endlich die Sprache des einfachen Mannes!

  2. Es geht nicht mehr nur um das Hier und Jetzt der deutschen Gegenwart als Wiederkehr von Vergangenem. Die lyrische Bedeutung der Gedichte erschließt grenzüberschreitend Bilder und Gedanken sowohl aus dem Erfahrungsarchiv anderer Kulturen als auch des Zukünftigen. Indem die utopische Dimension aufscheint, überwindet politische Dichtung das Hier und Jetzt.

  3. Dieser Gesichtspunkt berühre das Herzstück der Texte: “Immer wieder und immer neu geht es um die Gegenwart des Vergangenen: die Kontinuität von Militarismus, imperialer Gewaltpolitik und die Rolle der Ideologien in ihnen; von Kolonialismus, Faschismus, ihrer Restauration in der Bundesrepublik Deutschland.”

  4. Das pazifistisch-antimilitaristische Engagement bedeutet für Bauer, sich auseinanderzusetzen mit dem Krieg, mit Gewalt und Terror. Kriege lassen sich aus seiner Sicht nicht durch eine Art Todestrieb oder als das Ausleben menschlicher Aggression als Selbstzweck erklären: „Kriege sind die Folge eines kapitalistischen Mechanismus, kolonialistischer Machtspiele und des geschickt kaschierten Wettbewerbs zum Zweck der Aneignung von Ressourcen und Rohstoffen.

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