Schulz goes Canossa

in Crisis 2017 · DE · Europe 2017 · EX-USSR · Finance 2017 · Germany 2017 · Industry 2017 · Nation 2017 · Person 2017 · Politics 2017 · Skepticism 2017 153 views / 3 comments
          
73% посетителей прочитало эту публикацию

Germany   Europe       World  

GEOMETR.IT     theeuropean.de

 

*Martin Schulz versprach für den Fall seiner Wahl keine GroKo und vor allem keine Bundeskanzlerin Merkel mehr. Er unterließ aber stringent alles, was diese Ziele realistisch gemacht hätte.

Angeblich harrte Heinrich IV. vom 25.-28. Januar 1077 im Büßerhemd und barfuß vor der Burg Canossa darauf, dass ihn der in der Feste weilende Papst Gregor VII. vom Kirchenbann befreien möge.

Soweit die Saga aus dem Mittelalter. Schon damals wurde medial vernebelt, was das Zeug hielt. Aktuelle Forschungen (Johannes Fried) gehen davon aus, dass Heinrichs Frosttrocknung vor Canossa so nicht stattfand, die Einigung zwischen König und Papst lange und gut vorbereitet und fürs erste zufriedenstellend für beide Streithähne war. Allerdings entwickelte sich die weitere Geschichte dieser GroKo weniger erfreulich, beider Lanzenträger moserten solange daran herum , bis alles wieder auf reset war.

Rund 940 Jahre später geht Martin Schulz auf seine Art nach Canossa. Ralle wird ihn eifrig zwitschernd begleiten. Aber wir werden sogleich sehen, Canossa ist nicht gleich Canossa. Geschichte ist keine Endlos-Platte.

Die Streitfälle 1077 und 2017:

Heinrich hatte Grund, Gregor zu zürnen. Gregor hatte die Kardinäle 1073 ausgetrickst und sich an denen vorbei vom Volk (wer immer das damals gewesen sein mag) per Akklamation, was keinesfalls eine freie und geheime Wahl gewesen sein kann, ins Amt gehievt und war fortan drauf und dran, die deutschen Fürsten gegen ihren sicherlich ausgesprochen guten König Heinrich auszuspielen. Kurz, es ging um die Macht und es wurde mit allen Mitteln verbissen gefochten.

Martin hatte 2017 ebenso gute Gründe, mit Angela um die Macht zu streiten. Anders als Gregor war Angela aber im Ergebnis freier und geheimer Wahlen ins Amt gekommen, niemand wurde dafür ausgetrickst. Was spätere Enttäuschungen natürlich nicht ausschließen konnte. Das Leben ist so.

Aber der Streit, wer dieses Amt auf Zeit in heutiger Zeit innehaben soll, der ist legitim und muss nach geltenden Regeln ausgefochten werden. Konnte sich Heinrich in seinem Streit auf unlauteres Verhalten eines Emporkömmlings berufen, so hatte Martin nur die Möglichkeit sich als der bessere Kandidat zu präsentieren. Das ist auch okay so, anders als zu HeinrichGregors‘ Zeiten wollen wir den Machtwechsel friedlich und ohne Kopf-ab vollziehen. Der Vorteil einer Demokratie ist an dieser Stelle fürwahr bestechend.

Die Wahlkämpfe 1077 und 2017: 

Heinrich musste programmatisch nicht viel Federlesens machen. Der böse Bube war eindeutig Austrickser-Georg. Nur war der im Diesseits durch den religiösen Besitz der Untertanenköpfe plus das Mandat über das Jenseits stark in der Vorhand. Heinrich konnte mit seinen ausschließlich irdischen Mitteln nicht obsiegen, hatte keine Chance. Ein Vergleich musste her. Daran hatte auch Gregor Interesse. Sicher war sicher.

Martin hatte es 2017 programmatisch viel schwerer. Angela vertrat alles, was Martin auch vertrat. Jeden Wunsch aus Martins Heerscharen hatte sie jahrelang erfüllt. Martin stand gewissermaßen vor der Aufgabe, gegen seine eigene Programmatik (in Angelas‘ Farben) Sturm zu laufen. Ein bisschen mehr dort, etwas weniger hier, mehr war nicht zu kreieren. Und das aller aller aller Schlimmste war, nicht einmal Angelas‘ historisch desaströsesten Fehler konnte er ihr schmerzhaft ins Stammbuch schreiben.

Angelas‘ einsame Politbüroentscheidung für eine Völkerwanderung in die EU hinein vom September 2015 hatte er ja ganz brav mitgetragen, kein Widerwort ist von ihm bekannt. Die traumatische Destabilisierung der EU und Deutschlands infolge der Umgehung des Deutschen Bundestages in Verbindung mit dem ebenso historisch einmaligen Eingeständnis, das Land und seine Grenzen nicht sicher kontrollieren zu können, eher wohl nicht zu wollen, kreidete er der Angela jedenfalls nicht an.

Konnte Heinrich 940 Jahre vorher noch für sich ins Feld führen sein Königreich vor dem dreisten Zugriff Gregors schützen zu wollen und zu müssen, so hatte der Sozialdemokrat Martin nicht die Spur einer Idee, wie das demokratische Gemeinwesen, welches er die kommenden vier Jahre im Kreise der europäischen Freunde wahren und schützen wollte, tatsächlich wahren und schützen könnte. Stattdessen spielte er Angelas‘ Spiel „Ich sehe nicht, was du nicht siehst“ auf Konfirmantenart mit.

Die Wahl ging dann auch so aus, wie Martin das alles angeführt hatte. Vier Jahre sind die Parteien am Zuge, am Wahlabend ist das Wahlvolk am Zuge. Und das hatte vergeblich auf Martins Positionierung gegen Angelas‘ Destabilisierungspolitik gewartet und ist dann enttäuscht zu den Gauklern von der AfD gegangen.

Martins Canossa: 

Martin versprach für den Fall seiner Wahl keine GroKo und vor allem keine Bundeskanzlerin Merkel mehr. Er unterließ aber stringent alles, was diese Ziele realistisch gemacht hätte. Im Februar, auf dem Hohepunkt seiner Popularität in Deutschland und nicht nur in der SPD, erklärte er dem verdutzen Wahlvolk die Ungerechtigkeiten in Deutschland nach 15 Jahren SPD-Mitverantwortung seit 1998 im Adlerhost Berlin. Das war schon mal humoresk.

Die Probleme mit der Zuwanderung, der EU-Binnensicherheit und der Schuld seiner Kontrahentin an diesen existenziellen Punkten, beschwieg er auf Brüsseler Salonart. Das war dann nicht mal humoresk. Das war und ist peinlich.

Nach dem glücklichen Scheitern der karibischen Sondierungen trommelte Martin sofort für Neuwahlen und für auf gar keinen Fall erneute GroKo… und wieder hatte er die Chance verpaßt, sich und die SPD nachdrücklich in Vorhand zu bringen. Statt sofort eine GroKo ohne Angela (wofür es jetzt schon wieder zu spät ist) anzubieten und das inhaltlich nachzuholen, was er im Februar verpennt hatte, läßt er Ralle wieder gegen die Begrenzung des Familiennachzuges, von dem keiner weiß ob es sich um 70 000 oder 800 00 Menschen handeln kann, wettern. Der SPD-Abstieg wird damit so wenig begrenzt wie der Familiennachzug. Anders ausgedrückt Familiennachzug und SPD-Absturz verhalten sich indirekt proportional… kommen alle, ist die SPD weg.

Hatte Heinrich IV. von Gregor VII. geschaffene Gründe, gegen die er vorging und das Bild von Canossa mit entstehen ließ, so hat sich Martin sein Canossa in eigener Regie geschaffen. Denn, jetzt ist klar, die SPD wird erneut mit in den Berliner Adlerhorst einziehen. Damit sie in Neuwahlen mit Martin an der Spitze nicht von den Gauklern überrundet wird. Denn das mit einer Minderheitsregierung, dass weiß sogar der Martin, das würde nicht mal die Haushaltsberatung für 2018 überstehen

http://www.theeuropean.de

* * *

GEOMETR.IT

Ch.Smart: Трамп и логика. Нелюбовь  28.11.2017

Молдова. Один олигарх, все остальные — брынза 28.11.2017

2.Украина. Разве песни Шахерезады закончились? Там 1001 сказка!  28.11.2017

Politico.Сможет ли Европа собрать Украину из обломков ?  28.11.2017

Плоское польское свинство  28.11.2017

Eiserne Hochzeit von NATO und der Türkei 28.11.2017

Ukraina. Ustanowienia autonomii 28.11.2017

Greater-Warsaw and Other Maneuvers  28.11.2017

NEUE Stunde Null?  28.11.2017

Eastern Partnership fatigue 28.11.2017

GEOMETR.IT

3 Comments

  1. Beim Geschichtenerzählen wird er nur noch von Cem übertroffen, der in fast jeder Diskussion irgend eine Anekdote aus dem Schwäbischen zum Besten gibt. Bleibt zu hoffen, dass sich niemand von diesem Laientheater beeindrucken lässt. Der Unterhaltungsfaktor steht nicht für Bürgernähe. Die kann man nur aus dem Parteiprogramm ersehen.

  2. Oder hat msn jemals davon gehört, daß sich die SPD für den gesellschaftlichen und den wirtschaftlichen Mittelstand eingesetzt hat? In mittelständischen Firmen gibt es keine überzähligen Jobs, die man einem unqualifizierten Parteimiglied zuschanzen könnte!

Добавить комментарий

Your email address will not be published.

Latest from

Go to Top